Unsere Stimmen

Partizipation von Geflüchteten in der öffentlichen Diskussion

«Unsere Stimmen zählen auch! Viel zu oft wird über, statt mit Geflüchteten gesprochen oder entschieden».

Das erste Schweizer Flüchtlingsparlament tagte am 6. Juni in der Dreifaltigkeitskirche in Bern. Ein historischer Meilenstein für die Schweiz!

Familienbesuche im Schengen-Raum für Vorläufig Aufgenommene: Das wünschen sich Flüchtlinge in der Schweiz. Das Flüchtlingsparlament hat am Sonntag einen Vorschlag dazu und zu weiteren Punkten beschlossen. Die Teilnehmenden möchten, dass der Zugang zu Bildung für Geflüchtete verbessert wird und dass Abgewiesene die Lehre abschliessen dürfen. Der Anlass war ein voller Erfolg und wir haben ein hervorragendes Medienecho erhalten. Es gab sogar einen Beitrag in der Tagesschau. Den Livestram vom 6. Juni kann man auf unserer Facebook-Seite nachschauen.

Hier geht es zur Medienmitteilung.

Hier geht es zu den zehn wichtigsten, an der Flüchtlingssesssion 2021 verabschiedeten Forderungen und hier zu allen verabschiedeten Forderungen des Flüchtlingsparlaments.

Gruppenbild des Flüchtlingsparlaments vom 6. Juni 2021. (Foto: Sara da Silva)

Le premier parlement suisse des réfugiés s'est réuni le 6 juin à Berne. Une étape historique pour la Suisse!

Visites familiales dans l’espace Schengen pour les personnes admises à titre provisoire : C’est ce que veulent les réfugiés en Suisse. Dimanche, le parlement des réfugiés a adopté une proposition sur ce point et d’autres. Les participants souhaitent que l’accès à l’éducation pour les réfugiés soit amélioré et que les personnes déboutées soient autorisées à terminer leur apprentissage. L’événement a été un grand succès et nous avons bénéficié d’une excellente couverture médiatique.
Vous pouvez regarder le livestream du 6 juin sur notre page Facebook.

Mit Unterstützung von / Avec le soutien de:

Bereich OeME-Migration der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn

In Kooperation mit / en coopération avec:

Deutsch

Es gibt die Jugendsession und die Migrant*innen-Session – aber bis jetzt noch keine Flüchtlingssession. Deshalb hat NCBI Schweiz bzw. das Partizipationsprojekt «Unsere Stimmen» das Flüchtlingsparlament mit Unterstützung von UNHCR Schweiz, der Schweizerischen Flüchtlingshilfe, terre des hommes schweiz u.a. ins Leben gerufen, damit in der Politik auch Geflüchtete zu Wort kommen. Denn viel zu oft wird über Geflüchtete gesprochen – nicht mit ihnen. Roksan Kasem, Vorsitzende der Kommission „Abgewiesene“, meint: „Das Flüchtlingsparlament ist wichtig. Wir sind alle Menschen, egal ob geflüchtet oder nicht. Viele Schweizer*innen kennen uns nicht. Ich setzte mich dafür ein, dass wir besser miteinander leben können.“ Der Höhepunkt des Flüchtlingsparlaments fand am 6. Juni im Rahmen der Flüchtlingssession in Bern statt. Im Vorfeld treffen sich die Geflüchteten in themenbezogenen Arbeitsgruppen (Kommissionen) an je vier virtuellen Treffen, um mit Beratung von Fachpersonen und Mitgliedern der eidgenössischen Räte politische Vorstösse zu ihren Themen zu entwickeln und zu priorisieren.

 

Français

Il y a la session des jeunes et des migrant-e-s, mais il n’y avait jusqu’à présent pas de session pour les personnes réfugiées. C’est pourquoi NCBI Suisse, par le biais de son projet de participation «Nos Voix», a créé le premier parlement des réfugiés avec le soutien du bureau du HCR pour la Suisse et le Liechtenstein, de l’Organisation suisse d’aide aux réfugiés et de Terre des Hommes Suisse, entre autres, afin que les personnes réfugiées puissent aussi avoir leur mot à dire en politique. Il est trop souvent question des réfugié-e-s, mais sans que celles-ci ou ceux-ci puissent s’exprimer. Roksan Kasem, présidente de la commission consacrée aux requérants d’asile déboutés, déclare : «Le parlement des réfugiés est important. Nous sommes tous des êtres humains, que nous soyons réfugiés ou non. Beaucoup de Suissesses et de Suisses ne nous connaissent pas. Je m’engage, afin que nous puissions mieux vivre
ensemble.» Le point culminant de ce projet a eu lieu le 6 juin, lors de la session des réfugiés à Berne. En amont de la session, les participant-e-s se sont réuni-e-s en groupes de travail thématiques (commissions) lors de quatre réunions virtuelles pendant lesquelles ils ont élaboré et établi des propositions pour différents thèmes, avec l’aide d’experts et de parlementaires.

 

Das Projekt "Unsere Stimmen"

„Unsere Stimmen“ ist als Partizipationsprojekt von NCBI Schweiz 2019 in Zürich entstanden. Es wird nun auch in anderen Regionen lokal umgesetzt (Zug/Schwyz, bald Biel und Aargau, sowie das Jugendprojekt «Junge Stimmen») und hat zum Ziel, dass Migrant*innen und geflüchtete Menschen verstärkt ihre Stimme in die Diskussion einbringen, um die Inklusion zu fördern. Lokal werden partizipativ Themen ausgewählt; zu diesen Themen finden Weiterbildungen statt, in denen die Teilnehmenden Empfehlungen zu diesen Themen erarbeiten. Diese Empfehlungen werden weiterentwickelt und im Rahmen von verschiedenen Anlässen sowie an selbst organisierten Hearings an die Öffentlichkeit und zu Entscheidungstragenden gebracht.

Hintergrund

Menschen, die in die Schweiz migriert sind im Allgemeinen und insbesondere geflüchtete Menschen nehmen wenig am gesellschaftlichen Diskurs teil, auch wenn sie besonders stark als Objekt (und selten als Subjekt) darin präsent sind. Es wird über sie (und nur sehr selten mit ihnen) diskutiert und entschieden. Die NCBI-Brückenbauer*innen haben beratend und begleitend viele Landsleute im Umgang mit Behörden, Schulen, Vermietenden u.a. unterstützt. Sie haben mehr als tausend Landsleute in Kursen über das Leben in der Schweiz informiert und ihre Geschichten und Integrationserlebnisse gehört. Sie wissen viel darüber, wo der Schuh drückt und welche Missverständnisse und Missstände die Integration und Inklusion behindern.

Es ist Zeit, diesen Erfahrungsschatz in Empfehlungen, Hearings, weiteren Anlässen und im Dialog zu nutzen. Lokal werden engagierte Geflüchtete angesprochen, weitergebildet und vorbereitet, um konstruktiv und öffentlichkeitswirksam ihre Stimmen zu erheben und zu sensibilisieren. Deshalb hat NCBI Schweiz 2019 das neue Projekt „Unsere Stimmen“ lanciert.

In den Jahren 2019-22 wird das Projekt NCBI in Kooperation in ausgewählten Kantonen regionale Weiterbildungs- und Planungstage durchführen; diese dienen dazu, dass die lokal engagierten Geflüchteten ihre Empfehlungen zu den von ihnen ausgewählten Themen formulieren können.

Weiterbildungen & Empfehlungen

In jedem Kanton, in dem «Unsere Stimmen» ein Projekt durchführt (bisher Zürich, jetzt Zug/Schwyz & «Junge Stimmen», bald Biel/Bienne, bald Aargau) starten die Weiterbildungen mit einem ersten Treffen, an dem es ein Kennenlernen und die Abstimmung über gewählte Themen gibt. Zudem werden Arbeitsgruppen gebildet. Danach finden die Weiterbildungen pro Thema mit Fachpersonen statt, um Fragen zu klären und danach Empfehlungen zu formulieren. Weiter finden Sitzungen und Gespräche mit Entscheidungstragenden und anderen Expert*innen statt, um die formulierten Empfehlungen zu besprechen und sich auf ein öffentliche Veranstaltungen (Hearings) zum jeweiligen Thema vorzubereiten.

Empfehlungen für den Kanton Zürich finden sich hier. Empfehlungen für die anderen Regionen sind in der Vorbereitung.

Hearings

Diese Veranstaltung wird als thematische Netzwerk- und Dialogveranstaltung mit kommunalen und kantonalen Stellen sowie anderen für sie wichtigen Instanzen (Asylbetreuung, Arbeitsintegrationsprojekten usw.) verstanden. Die Empfehlungen können von den Geflüchteten auch an Tagungen, thematischen Runden Tischen, etc. eingebracht werden. Angestrebt wird, dass die konstruktiven und kompetenten Empfehlungen der Direktbetroffenen stärker in die Diskussion eingehen und ihre Stimmen zunehmend gehört werden.

Am Hearing präsentieren Geflüchtete  konkrete Empfehlungen zur Verbesserung der Integration  und untermauern diese anhand von ihren eigenen positiven und negativen Erfahrungen, die sie erzählen. Die gesamte Veranstaltung ist alleine durch Geflüchtete moderiert. Anwesend ist ein Podium, bestehend aus Politik, Verwaltung und Entscheidungstragende, die entsprechend auf Erzählungen und Forderungen reagieren. Weiter ist das Zivilpublikum eingeladen, damit die Geflüchteten vor vielen Hörenden ihre Stimme erheben können.

Zwei Hearings zu den Themen «Arbeitsintegration für Geflüchtete» und «Abgewiesen Asylsuchende» wurden bereits im Kanton Zürich durcheführt. Mehr dazu findet sich hier.

Präsentationen der Empfehlungen und Partizipation von "Unsere Stimmen" an Tagungen/Weiterbildungen

  • «Eritreerinnen und Eritreer: Integration oder Instrumentalisierung», Bern, 6. Juni 2019, mit Vertretung von SEM
  •  «Geflüchtete – Bildung Integration und Emanzipation», Tagung VPOD und sosf, Bern, 7. September 2019
  • «Von der Schule zum Beruf – Berufsfindung in Zeiten von Migration», Tagung FHNW, Olten, 26. Oktober 2019
  •  «Asylentscheid negativ! Perspektive Eritrea?», Anlass Eritreischer Medienbund, Zürich, 28. Oktober 2019
  •  «Unterstützungsmöglichkeiten in der Berufslehre», Fachaustausch Futuri, Zürich, 18. November 2019
  • Präsentation «Unsere Stimmen» bei Solinetz, Zürich, 5. Dezember 2019
  • Präsentation an den Aktionstagen «Enough» zu den Lebensbedingungen von Abgewiesenen Asylsuchenden, Zürich, 29. August 2020
  • Kosmopolitics zum Thema «Leben in der Notunterkunft: Meet the Experts» in Zusammenarbeit mit Solinetz & Unsere Stimmen, Kosmos, Zürich, 21. September 2020
  • Interkantonale Fachtagung MNA, Deutschschweiz «Neue Integrationsmassnahmen – Potenzial für jugendliche Geflüchtete», SSI Schweiz, Zürich, 29. September 2020
  • Präsentation Lebensbedingungen von Abgewiesenen Asylsuchenden im Kanton Zug/Schwyz bei der GV Verein Asylbrücke Zug, Zug, 23. Oktober 2020 (in Kooperation mit dem Verein FRW Zug)
  • Präsentation «Unsere Stimmen» und Empfehlungen zur Genfer Flüchtlingskonvention für das UNHCR-Team Schweiz/Lichtenstein, via Zoom, 16. Dezember 2021
  • Austausch mit Parlamentarier*innen zu Empfehlungen, via Zoom, 16. Dezember 2021
  • Präsentation von «Unsere Stimmen» über Brückenbauer*innen-Projekte,  Annual Tripartite Consultations on Resettlement (ATCR)-Conference (SEM & SRC) mit dem Thema «Strengthening capacities to promote opportunities for refugees in unprecedented times»

Weitere sind in Vorbereitung.

Nächste Kurse / Veranstaltungen

Aufgrund Covid-19 müssen alle Weiterbildungen und öffentliche Veranstaltungen bis auf weiteres verschoben werden.

12. Juni 2021: Treffen des Projekts «Unsere Stimmen Biel», Biel

19. Juni 2021: Treffen des Projekts «Unsere Stimmen Biel», Biel

26. Juni 2021: Treffen des Projekts «Unsere Stimmen Biel», Biel

"Unsere Stimmen" in den Medien

Team und Kontakt

Vertretung des Koordinationsteams «Unsere Stimmen»: Haben Kflemaryam, Absera Tewelde, Abdelwahab Mohammed, Samson Kidane, Nejirvan Hussein, Yavar Rassuli, Jinstan Ahmad, Daniel Ocbe, Shishai Haile

Projektkoordinator*innen: Jasmin Beurer, jasmin.beurer@ncbi.chHelen Ocbe, helen.ocbe@ncbi.ch; Amine D. Conde, aminediare.conde@ncbi.ch; Rahim Mohammadzadeh, rahim.mohammadzade@ncbi.ch; Mahtab Aziztaemeh, mahtab.aziztaemeh@ncbi.ch (Biel)

Geschäftsleitung: Ron Halbright, ron.halbright@ncbi.ch; Andi Geu, andi.geu@ncbi.ch