Respect-Iftar (Fastenbrechen) zu Ramadan in Gümligen

Foto: © Janna Mohr

Respect-Iftar (Fastenbrechen) zu Ramadan am Flüchtlingssonntag in Gümligen: Traditionen des Fastens und Unterstützung für Flüchtlinge und Bedürftige verbinden Muslim/innen, Jüd/innen und Christ/innen.
Fasten, Spenden für die Armen und Verständnis für Flüchtlinge verbinden die muslimischen, jüdischen und christlichen Gemeinschaften mehr als gedacht. Das wurde den gut 80 muslimischen, jüdischen und christlichen Teilnehmenden am Fastenbrechen klar dank drei kurzen Präsentationen zu den drei Religionen. Menschen aus der Schweiz, Syrien, Afghanistan, Eritrea und anderen Ländern folgten am Sonntagabend, den 19. Juni, der Einladung ins Kirchgemeindehaus Gümligen zum «Iftar», dem traditionellen Fastenbrechen an jedem Abend während des Fastenmonats Ramadan. Um 21.26 Uhr begann die Nacht. Auf den Gebetsruf folgte das Fastenbrechen mit drei Datteln und Milch und einem von Flüchtlingen gekochten internationalen Buffet.

Foto Christoph Knoch_Gruppe und jüd. Referentin_Respect-Iftar 2016-06-19

Foto: © Christoph Knoch

Noëmi Knoch (jüdisch) und Lamya Hennache (muslimisch) begrüssten und erinnerten an den gemeinsamen Respect-Seder vor zwei Monaten. Das jüdische Fest war zusammen mit muslimischen und christlichen Gästen in der Jüdischen Gemeinde Bern gefeiert worden.
Imam Kaser Al Asaad, der vor zwei Jahren aus Syrien geflüchtet war, betonte, dass gemäss muslimischer Tradition alle Menschen von Gott erschaffen seien. Darum sei es Aufgabe aller, einander zu respektieren und zu lieben, wie es an diesem Abend sicht- und spürbar sei. Ein Teilnehmer aus Syrien doppelte nach, dass das, was der IS in Syrien mache, in keiner Weise mit der islamischen Tradition vereinbar sei, ja dem Islam diametral widerspreche.
Abdel Aziz ergänzte, dass einst Prophet Mohammed und die frühen Muslime in Mekka unterdrückt und darum zur Flucht nach Medina («Hidschra») gezwungen waren. So müssten, auch heute Millionen von Menschen – wie viele der Anwesenden – ihr Land verlassen und in der Fremde Sicherheit suchen.

Foto 1_Imam Kaser Al Asaad und Pfarrer Christoph Knoch_Respect-Iftar_2016-06-19_

Foto: © Janna Mohr

Denise Alvarez Braunschweig, Jüdische Gemeinde Bern, zitierte Pirke Avot, die Sprüche der Väter, und wies auf die jüdische Tradition von Wohltätigkeit (Zedaka und Gemilut Chasadim) hin. Diese Zweiteilung von Wohltätigkeit als Gebot und als Mitgefühl ist ähnlich der von Abdel Aziz dargestellten Säule des Islams Zakat. Sie zitierte die Abstufungen von Almosen nach Maimonides: die höchste Ebene ist die Befähigung, selber zu arbeiten (z.B. eine Ausbildung ermöglichen), die zweite die beidseitig anonymen Almosen, dann ein- oder beidseitig bekannte Spenden und letztlich die widerwillige Beihilfe. Denise Alvarez Braunschweig erinnerte weiter an die „Aha-Erlebnisse“ beim Respect-Seder, als fast die gleiche Geschichte von Moses und Pharao, wie sie in der jüdischen Torah zu finden ist, aus dem muslimischen Koran vorgetragen wurde. Auch an diesem Abend, beim Respect-Iftar, würden die Ähnlichkeiten zwischen den Religionen hervortreten.

Gastgeber Pfarrer Christoph Knoch, der reformierten Kirchgemeinde Muri-Gümligen, erläuterte, dass die christliche Tradition des Almosengebens in der jüdischen wurzle. Neben der Ebene der Fürsorge für die Armen sei die «Kollekte für Jerusalem», die im römisch-katholischen «Peterspfennig» weiterlebe, ein Zeichen der Einheit der Kirche. Am Morgen habe er in seiner Predigt zum Flüchtlingssonntag in der Kirche nebenan fast identische Formulierungen wie Imam Al Asaad gebraucht.

An jedem Tisch wurde auf Arabisch, Englisch, Französisch oder andere Sprachen gedolmetscht. Ein Mitglied der jüdischen Gemeinde, selber vor Jahrzehnten aus dem Iran geflüchtet, hat für die Afghanen in ihre Muttersprache, Persisch, übersetzt, da das afghanische Dari der Landessprache in Iran/Persien sehr ähnlich ist.

„Dieser gemeinsame Anlass ist ein Zeichen, dass zwischen muslimischen, jüdischen und christlichen Gemeinschaften Vorurteile ab- und Brücken aufgebaut werden können“, betonte Ron Halbright, Geschäftsleiter von NCBI Schweiz. „Dafür setzen wir uns seit 2012 ein beim Projekt ‚Respect: Muslim- und Judenfeindlichkeit gemeinsam überwinden.‘“

Ziel ist es, Gemeinsamkeiten zu entdecken, Konfliktthemen konstruktiv anzusprechen sowie Vorurteile und Missverständnisse abzubauen. Das Projekt wird von der Fachstelle für Rassismusbekämpfung des Bundes sowie von muslimischen und jüdischen Dachverbänden unterstützt.

Hintergrund

Was ist ein Iftar?

Das Fasten kennen die muslimischen, jüdischen und christlichen Traditionen. Im Islam wird während Ramadan, dem Fastenmonat (2016: Anfang Juni bis Anfang Juli), tagsüber weder gegessen noch getrunken. Bei Einbruch der Dunkelheit stellt das Fastenbrechen mit dem Abendgebet den Abschluss eines Fastentages dar. Traditionellerweise werden als erstes Datteln gegessen und Wasser bzw. Milch getrunken. Zur Tradition gehört auch, dass man zum Iftar Gäste einlädt. Ausnahmen für Kranke, Schwangere und Reisende sind Teil der Tradition.

„Respect-Iftar-Fastenbrechen“ zum Flüchtlingssonntag?

Am Respect – Iftar werden verschiedene Traditionen aus dem Fastenmonat Ramadan erlebt, die Teilnehmenden – inklusive Flüchtlinge – tauschen sich über das Fasten in den drei monotheistischen Religionen und über ihrem Bezug zum Flüchtlingssonntag aus.

Die Projektleitung: Lamya Hennache, Noëmi Knoch, Ron Halbright

Weitere Informationen: Ron Halbright, NCBI Respect, respect@ncbi.ch, 076 490 10 50, www.ncbi.ch/respect & www.facebook.com/NCBIrespect.

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