respect, Statement

GEMEINSAMES jüdisch-muslimisches Statement

GEGEN eine Symbolpolitik auf Kosten religiöser Minderheiten,

FÜR ein respektvolles Zusammenleben,

NEIN zum Verhüllungsverbot!

Am 7. März 2021 entscheiden die Stimmberechtigten über die Volksinitiative «Ja zum Verhüllungsverbot», auch «Burka-Verbot» genannt. Gehässige und polarisierende Diskussionen werden geführt über Burka, Verhüllung, Frauenrechte, ‹die› Muslime und ‹den› Islam.

Wir sind besorgt. Eine ehemals latente Muslim- und Judenfeindlichkeit wird salonfähig. Eine religiöse Minderheit in der Schweiz, die Teil unserer Gesellschaft ist, wird diffamiert und ausgegrenzt.

Wir setzen uns GEMEINSAM ein

GEGEN Hass und Hetze, gegen Rassismus und Diskriminierung.

Wir sagen NEIN zur Diffamierung und Ausgrenzung der muslimischen, jüdischen oder anderer Minderheiten in der Schweiz, NEIN zu einer Symbolpolitik auf Kosten religiöser Minderheiten, NEIN zum Verhüllungsverbot.

Wir als muslimische und jüdische Bürger*innen sind der Meinung: Jede Frau soll selber darüber entscheiden dürfen, welche Kleidung sie trägt. Kleidervorschriften schützen nicht vor Extremismus. Kleidervorschriften gehören nicht in die Verfassung.

Wir setzen uns GEMEINSAM ein

FÜR ein friedliches Zusammenleben, Selbstbestimmung, Religions- und Meinungsfreiheit, FÜR eine respektvolle und vielfältige Gesellschaft in der Schweiz.

Darum: NEIN zum Verhüllungsverbot!

Diese Initiative ist nicht die erste gegen religiöse Minderheiten in der Schweiz – siehe unten für weitere Informationen zum historischen Hintergrund.

Unterschreiben können Sie hier.

Déclaration publique COMMUNE musulmane-juive

       CONTRE une politique de symboles aux dépens de minorités religieuses,

               POUR un vivre-ensemble respectueux,

NON à l’interdiction de se dissimuler le visage !

Le 7 mars 2021, les votants décideront de l’initiative populaire « Oui à l’interdiction de se dissimuler le visage », aussi appelée « initiative anti-burqa ». Des débats haineux et polarisants sont menés sur la burqa, le voile, les droits de femmes, ‘les’ musulmans et ‘l’’islam.

Nous sommes inquiets. Un antisémitisme et une homophobie autrefois latents deviennent présentables au quotidien. Une minorité religieuse, partie intégrale de notre société, est diffamée, est marginalisée.

C’est ENSEMBLE que nous nous exprimons

       CONTRE la haine, contre le dénigrement, le racisme et la discrimination.

Nous disons NON à la diffamation et à la marginalisation de la minorité musulmane, juive et toute autres minorités en Suisse, NON à une politique de symboles aux dépens de minorités religieuses, NON à l’interdiction de se dissimuler le visage.

Nous, en tant que citoyen-ne-s juif-ve-s et musulman-e-s sommes de l’avis que chaque femme doit avoir le droit de décider elle-même quels vêtements elle aimerait porter. Les prescriptions vestimentaires ne nous protègent pas de l’extrémisme. Les prescriptions vestimentaires n’ont pas leur place dans la Constitution fédérale.

C’est ENSEMBLE que nous nous engageons

       POUR un vivre-ensemble paisible, l’autodétermination des femmes, la liberté religieuse ainsi que la liberté d’expression. Nous nous engageons POUR une société respectueuse et diverse en Suisse.

Pour toutes ces raisons : NON à l’interdiction de se dissimuler le visage !

JUIF-VE-S ET MUSULMAN-E-S. ENSEMBLE.

JUDEN UND MUSLIME. MITEINANDER – FÜREINANDER. GEMEINSAM.

Muslimische und jüdische Erstunterzeichnende sind u.a.:

Ralph Friedländer

Ralph Friedländer, Vizepräsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds SIG

«Ich unterstütze das jüdisch-muslimische Statement, weil ich für die Freiheit bin, sich so kleiden zu dürfen, wie man/frau will. Religiöse und kulturelle Traditionen verdienen Respekt, sofern diese freiwillig befolgt und eingehalten werden. Gegen die allfällige Nötigung, der einige Frauen ausgesetzt sind, haben wir in der Schweiz bereits griffige Gesetze.»

Farhad Afshar, Präsident der KIOS

«Die gemeinsame Stellungnahme von Juden und Muslimen gegen die Verhüllungs­initiative ist sehr wichtig. Die Entrechtung von Minderheiten beginnt immer mit Vorurteilen und führt über Stigmatisierung und Hass zu Sondergesetzen und Aus­grenz­ungen. Unsere Solidarität ist ein ermutigender Schritt für die Ver­ständigung, den Respekt und die Zusammenarbeit der islamischen und jüdischen Religionsgemeinschaften in der Schweiz.»

Dina Wyler

Dina Wyler, Geschäftsleiterin der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus GRA

«Die Deutungshoheit über die Burka und den Niqab gehört den muslim­ischen Frauen, die dieses Kleidungsstück tragen. Ein «Nein» zur Burkaverbotsinitiative ist eine klare Absage an antimuslimische Stimmungsmache mit pseudo­feministischen Argumenten.»

Önder Günes, Vizepräsident Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz FIDS

«Die Initiative schürt neue Ressentiments gegen religiöse Minderheiten. Wir sind für ein friedliches Zusammenleben ohne Vorurteile und Hetze.»

Peter Jossi, Co-Präsident der Plattform der Liberalen Juden der Schweiz PLJS

«Religiös diskriminierende Kleider- und Bauvorschriften gehören nicht in die Schweizer Bundesverfassung!»

Belkis Osman-Besler, Seelsorgerin, VIOZ-Vizepräsidentin

«Stolz kann ich sagen, dass ich ein Geschöpf, Mensch, weiblich, Tochter, Ehefrau, Mutter, Grossmutter und Muslima bin. Kopftuchträgerin seit 1983 aus freiem Willen, Seelsorgerin, Zürcherin und Schweizerin! Stolz, in diesem Land all dies sein zu können, meine Pflicht als Bürgerin werde ich auf alle Fälle verwenden und mit „Nein“ stimmen, um dies weiterhin für alle Bewohner und Bewohner­innen dieses Landes zu ermöglichen.»

Dalia Schipper

Dr. Dalia Schipper, Präsidentin der Jüdischen Gemeinde Bern JGB

«Ich lehne das Verhüllungsverbot ab, weil es nicht angeht, Frauen - aus welcher Kultur auch immer - vorzu­schreiben, was sie tragen dürfen und was nicht und weil ich es ablehne, über Kleidungsstücke Aus- und Abgrenzungen jeglicher Art zu machen.»

Imam Kaser Alasaad

Imam Kaser Alasaad

«Für eine bunte Schweiz. Eine Schweiz mit vielen Farben und die gleiche Freiheit für alle.
Nein zur Diktatur. Nein zur Diskrimi­nierung. Nein zur Abgrenzung. Nein zum Fremdenhass. Nein zur Islamophobie.
Ja zur Toleranz. Ja zum Minderheit­enschutz.
Zusammen leben und einander respektieren.»

Dana Landau

Dr. Dana Landau, swisspeace Forscherin und Dozentin an der Universität Basel

«Als Frau und als Jüdin wehre ich mich dagegen, dass unsere direkte Demokratie für Hetze gegen Minder­heiten missbraucht wird, erst recht, wenn das vermeintlich zum «Schutz der Frauen» geschieht. Ein Verbot, das sich spezifisch gegen unsere muslimischen Mitbürgerinnen richtet, hat in unserer Verfassung nichts verloren!»

Pascal Gemperli

Pascal Gemperli, Gemeinderat Morges, Mediator, aktiv bei FIDS und UVAM

«Ich bin gegen repressive Integrationspolitik auf dem Rücken von Frauen.»

Ruth Dreifuss

Alt-Bundesrätin Ruth Dreifuss

« Cessons de culpabiliser les femmes, de leur reprocher de se couvrir trop ... ou pas assez. » 

Imam Muris Begovic

Imam Muris Begovic, Imam und muslimischer Seelsorger

«Nach der Minarett-Initiative ist die Burka-Initiative eine weitere Absurdität, die sich die Schweiz nicht leisten kann. Die Ablehnung der Initiative würde dementsprechend bedeuten, dass die Vernunft gesiegt hat.»

Anna Rosenwasser, LOS, Lesbenorganisation, LGBTIQ+

Anna Rosenwasser, Autorin und LGBT-Aktivistin

«Wie man Frauen befreit, indem man ihnen etwas verbietet, ist mir schleierhaft.»

Catia Coito

Catia Coito, Biomedical Scientist, Muslimin

«Die einen zwingen auf und die anderen verbieten es. Wo liegt der Unterschied? Wir Frauen brauchen keine «Retter», die zu wissen meinen was wir wollen oder brauchen.»

Sasha Rosenstein

Sasha Rosenstein, Präsident Die Feministen, Projektmitarbeiter Stop Hate Speech

«Für die Selbstbestimmung!
Warum glauben wir zu wissen, was am Besten ist für Menschen eines anderen Glaubens?»

Sonia Zammali

Sonia Zammali, Coach

« Je suis contre cette initiative pour deux raisons:
1. L’initiative entrave la liberté individuelle. Chaque personne, femme ou homme, est libre/doit être libre de choisir quelle partie de son corps elle veut couvrir ou non.
2. L’initiative n'a aucun sens. Faire voter un pays pour une initiative qui concerne une trentaine de personnes est ridicule et montre la stigmatisation qui se cache derrière. Avec l'obligation actuelle de porter le masque, l’initiative est encore plus insensée. »

Dina Pomeranz

Dina Pomeranz, Volkswirtschaftsprofessorin

«Als jüdische Schweizerin weiss ich aus meiner eigenen Familie, dass Einschränkungen der Freiheit religiöser Minderheiten in der Schweiz eine sehr unschöne Geschichte haben. Ein liberaler Staat macht keine Kleidervorschriften.»

Prof. Dr. Amir Dziri

Prof. Dr. Amir Dziri, Direktor des Schweizerischen Zentrums für Islam und Gesellschaft

«Die Vollverschleierung irritiert, ist bedenklich. Weit bedenklicher aber ist eine Kleidungsnorm in der Verfassung. Es ist eine Frage der Verhältnismässigkeit. Und die besagt, dass man mit einem Verbot aktuell ohne Not ein grosses Wagnis eingeht.»

CREATOR: gd-jpeg v1.0 (using IJG JPEG v62), quality = 75

Samuel Rom, pensionierter CEO und klin. Psychologe/Psychotherapeut, Vater und Grossvater

«Mit der Initiative wird nichts Positives aufgebaut, im Gegenteil: es wird Hass und Zwietracht gesät. Lasst uns mit unseren verschiedenen religiösen Ansichten offen auf­einander zugehen - und lassen wir die 30 Burkaträgerinnen so leben, wie sie es sich wünschen. Da nimmt niemand Schaden. Und unsere Verfassung verkommt nicht zu einer Kleiderverordnung.»

Mariann Halasy-Nagy Liratni, Bereichsleitung Bildung Multimondo

«Ich stimme NEIN, weil ein Kleiderverbot niemanden befreit, jedoch unsere gesellschaftliche Sicht von Diversität sowie unsere Religionsfreiheit einengt.»

Rabbi Elli Cohn_2

Rabbi Elli Cohn

«Ich unterstütze dieses Statement, weil allzu oft nur über und nicht mit Minderheiten gesprochen wird, so auch in der Debatte um das Verhüllungs­verbot. Diese Initiative schürt mit reiner Symbolpolitik Misstrauen. Stattdessen sollten Projekte wie Respect stärker unterstützt werden, welche Vorurteile aktiv abbauen und ein ehrliches, konstruktives Miteinander fördern.»

Weitere Unterzeichnende sind u.a.:

  • Jonas Bloch
  • Marc Lischka
  • Daniel Hellmann, Künstler

Marie Theres Kaufmann, Hausfrau, am interreligiösen Frieden Interessierte

«Es stört mich sehr, dass gewisse Kreise immer wieder mit Minder­heiten, Zugewanderten und Menschen am Rand Politik machen und ein Problem herauf beschwören, wo keines ist.»

Shoshana Jakobovits

Shoshana Jakobovits, Softwareentwicklerin

« Légiférer l'habillement des femmes sous prétexte de les protéger? Marginaliser une minorité du doigt tout en prétendant protéger la liberté et l'égalité ? Non merci. Pas dans ma Suisse et pas dans ma constitution. »

Sarah Angst, Lehrerin

«Jedem ist es selber überlasen was er an Kleidung trägt. Verstehe es eh nicht wie man sich an einem Stoffstück so stören kann. Jedem seine Freiheit!»

Hasan Hatipoglu, Präsident der Stiftung SERA

«Wie die Minarettsverbot-Initiative ist auch die Ver­hüllungs­verbot-Initiative ein Nebenschauplatz. Es geht um Islamophobie, Rassismus, Diskriminierung sowie Hass und Hetze gegen muslimische Minder­heit. Weder die Initianten noch die Unterstützer haben mit einer der 30 Niqab-Trägerinnen in der Schweiz gesprochen. Sie kennen diese wenigen Frauen überhaupt nicht und massen sich an, diese zu «retten». Noch absurder geht es wohl nicht!»

Naci Eren, Unternehmer

«Will ich, dass man mir Kleidervorschriften macht? Nein, das will ich nicht. Und ich will somit auch niemandem Kleidervorschriften machen... Diese Initiative löst nicht irgendein Problem, schürt nur Ängste und greift eine Minderheit an. Es ist zu hoffen, dass sich die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung gegen diese Ungerechtigkeit wehrt. Alles hat ja immer etwas Gutes und in diesem Fall, beflügelt es hoffentlich den Zusammenhalt und die gegenseitige Wertschätzung der Minderheiten untereinander, egal von welcher Kultur, Religion oder Gesinnung.»

Kinan Derani

Kinan Derani, Mathematiker, Lehrer, Schweizer Muslim

«Angenommen 5 von 30 Frauen werden gezwungen, einen Nikab zu tragen, dann sorgt ein Ja zur Verhüllung­sinitiative dafür, dass 25 von 30 Frauen gezwungen werden, kein Nikab zu tragen. Ich setzte mich als Muslim lieber für die wenigen unterdrückten Frauen ein, statt die Mehrheit der freiwillig-Nikab-Trägerinnen zu unterdrücken.
Deshalb sage ich NEIN zum Verhüllungsverbot.»

Hintergrundinformationen zur historischen Einordnung:

Die Verhüllungsinitiative gibt vor, Frauen zu schützen. Doch reiht sie sich ein in Initiativen, die sich gegen die Gleichberechtigung von Minderheiten in der Schweiz und deren religiöse Freiheit wenden.

Wir erinnern uns:

1848 wurde der schweizerische Bundestaat gegründet, die erste Bundesverfassung trat in Kraft, der Grundstein für die moderne Schweiz war gelegt. Haben Sie aber gewusst, dass die Bundesverfassung nur allen Schweizer Bürgern – christlichen Glaubens – die Rechtsgleichheit und Niederlassungsfreiheit zusprach?

Erst 1866 wurde über die Verfassungsrevision abgestimmt, dass sich Juden und Jüdinnen in der ganzen Schweiz und nicht mehr ‘nur’ in den ‘Judendörfern’ Endingen und Lengnau niederlassen durften; die Niederlassungsfreiheit wurde angenommen. Doch die Einführung der «Glaubens- und Kultusfreiheit» für nicht christliche Religionsgemeinschaften scheiterte im gleichen Jahr am Volksmehr. Der Grundsatz, dass niemand aufgrund seines persönlichen Glaubens in seinen bürgerlichen und politischen Rechten eingeschränkt werden darf, kam nicht durch. Erst mit der Totalrevision der Bundesverfassung 1874 wurde die Religionsfreiheit eingeführt.

Doch bald wurde diese durch das Inkrafttreten der ersten vom Stimmvolk angenommenen Volksinitiative der Schweiz 1894 mit dem Schächtverbot wieder eingeschränkt. 2009 erhielt die antimuslimische Initiative „Gegen den Bau von Minaretten“ eine Mehrheit. 2021 stimmen wir über ein Verhüllungsverbot, über das Verbot von Burka und Niqab im öffentlichen Raum, ab, eine Niqab-tragende Frau wird auf den Plakaten mit bedrohlichen Augen dargestellt und als Feindin stilisiert. Was kommt als nächstes?

Weiterführende Informationen zum historischen Hintergrund sind auf Swissvotes, der Datenbank zu den Schweizer Volksabstimmungen der Universität Bern, zu finden: www.swissvotes.ch und im Historischen Lexikon der Schweiz: https://hls-dhs-dss.ch/de/.

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on telegram
Share on whatsapp
Share on email

Diese Beiträge könnten Ihnen auch gefallen

Unterzeichnen Sie das gemeinsame muslimisch-jüdische Statement gegen die Verhüllungs-Initiative

Ihre E-Mail-Adresse wird niemals veröffentlicht und nicht an Dritte weitergegeben, diese wird nur von uns (NCBI, Respect, YSMN) verwendet. Wenn Sie dies nicht möchten, können Sie das unten ankreuzen. Sie entscheiden über die Veröffentlichung Ihres Namens, Ihrer Funktion, Ihres Statements und Ihres Fotos – bitte kreuzen Sie unten an, welche Angaben hier auf der Webseite aufgeführt werden sollen.