Not 2 young
2... - Nicht zu jung, um zu...
Was ist Adultismus?
Adultismus ist die Diskriminierung gegen jüngere Menschen,
meistens von Erwachsenen gegenüber Jugendlichen und Kindern:
„Du bist zu jung, um das zu verstehen“ oder „Warte
bis du älter bist!“ sind Äusserungen, in denen
Adultismus zum Ausdruck kommen kann; nicht ernst nehmen, nicht
entscheiden lassen und Bevormundung. Alle erleben das, wenn
sie jung sind und viele betrachten es als alltäglich.
Es ist die erste Diskriminierung, auf die alle anderen Arten
von Diskriminierung aufbauen. Ältere Kinder behandeln
jüngere in derselben Weise. Manchmal nehmen Kinder sich
selbst nicht ernst, weil sie Adultismus verinnerlicht haben.
Was bewirkt Adultismus?
Die Stimme der Kinder wird oft nicht ernst genommen. Sprüche
wie „Dafür bist du zu jung“, „Du wirst
das verstehen, wenn du älter bist“, „Das
geht Kinder nichts an“ zeigen den Kindern und Jugendlichen,
dass ihre Stimmen nicht zählen und sie nicht ernst genommen
werden. So lernen viele Kinder, dass sie keine Macht haben
(dürfen) und dass Erwachsene bzw. ältere Menschen
das Sagen haben.
Adultismus ist so allgegenwärtig, dass man sich daran
gewöhnt. Junge Menschen fangen an, das zu verinnerlichen.
Sie meinen selber, dass Erwachsene alles besser wissen und
bestimmen sollen. Das nennt man „verinnerlichten
Adultismus“.
Die Auswirkung davon sind: Junge Menschen nehmen sich selber
nicht ernst. Sie vertrauen ihrer eigenen Meinung und Wahrnehmung
wenig. Manche resignieren, werden passiv („null Bock
Stimmung“) oder unzuverlässig. Andere werden aggressiv
und launisch, geben den Schmerz der Unterdrückung weiter-
oder zurück (Rebellion). Es gibt auch diejenigen, die
selbstzerstörerisch werden. Beispielsweise betäuben
sie sich mit Suchtmitteln oder ritzen sich.
Junge Leute gewöhnen sich daran, sich als weniger wertvoll,
nutzlos, nicht vertrauenswürdig zu betrachten und zu
benehmen. Man traut sich nicht mehr, die eigene Meinung ehrlich
und offen zu bekunden: „Ich sage lieber nicht, was ich
denke“, „Was bringt das?“ „Ich kann
mich gar nicht wehren“, „Sie werden mich sowieso
falsch verstehen.“
Von aussen gesehen erscheint verinnerlichter Adultismus als
Faulheit oder Bequemlichkeit, als Konsumhaltung oder Hänger-Stimmung.
Von innen betrachtet ist es Resignation oder eine Bewältigungsstrategie
im Umgang mit Adultismus.
Das Selbstvertrauen wird angeschnitten, so dass man es nicht
wagt, Fehler zu machen. „Lieber nichts machen als sich
blamieren.“ „Sonst meinen alle, ich bin dumm.“
Junge Menschen nehmen einander nicht ernst, sie werden adultistisch
gegen andere junge Menschen: die Grossen auf dem Pausenplatz
befehlen die Kleineren herum; die Jüngeren warten darauf,
bis sie endlich gross sind und die nächste Generation
ähnlich behandeln können. Oder die älteren
Geschwister finden, sie sollten über die jüngeren
bestimmen; Kinder manipulieren einander, so dass die anderen
von Erwachsenen erwischst und bestraft werden.
Was passiert, wenn ein Kind bzw. ein/e Jugendliche/r sich
trotzdem ernst nimmt? Der verinnerlichte Adultismus unter
den jungen Menschen kommt oft hervor: „Sei nicht so
ernst“, „Nimm’s locker“, „Meinst
du, dass du so wichtig bist?“, „Streber!“,
„Arschkriecher!“
Adultismus funktioniert als eine Grundlage für verschiedene
Diskriminierungsarten wie Rassismus, Sexismus und weitere
„-ismen“. Kinder lernen früh – und
von den Menschen, die sie lieben –, dass Unterdrückung
in Ordnung ist. Dieses Muster wird dann in Bezug auf andere
Gruppen (Mädchen und Frauen, Menschen anderer Herkunft,
Menschen mit Behinderungen usw.) verwendet.
Wenn Adultismus akzeptiert wird, heisst das, dass junge Menschen
ihren Gerechtigkeitssinn verleugnen. Schon junge Kinder können
scharf zwischen gut und böse, fair und unfair unterscheiden.
Auch während sie noch sehr abhängig von Erwachsensen
sind, merken Kinder, wenn die Erziehung unterdrückerisch
und ungerecht ist. Das erklärt viele Konflikte zwischen
Kindern und Erziehenden. Wenn Kinder sehen, dass ihr Sinn
für Gut und Böse nicht akzeptiert wird, weicht das
Selbstvertrauen der Angst vor der Macht der Erwachsenen.
Die gleiche Dynamik wird auch unter Erwachsenen ausgelebt.
Ältere Erwachsene nehmen jüngere Erwachsene beispielsweise
am Arbeitsplatz nicht ernst: die „jungen“ müssen
warten („Erfahrungen sammeln“), bis sie etwas
zu sagen haben. Erwachsene geben sich Mühe, nicht als
kindisch betrachtet zu werden und verleugnen ihre Spontaneität,
ihre Neugier und ihre spielerischen Seiten (ausser im Kontakt
mit jungen Kindern).
Ein Zeitungsartikel über das Thema Adultismus kann hier
heruntergeladen werden (pdf-Format, 652 KB).
NCBI initierte für das Jahr 2004 eine internationale
Initiative zum Abbau von Adultismus. Ein daraus entstandenes
Plakat kann hier heruntergeladen
werden (pdf-Format, 416 KB). Das Plakat kann auch per Email
bestellt werden: office(at)ncbi.ch
Programmleitung: Corinne Steffen (Kontakt)
Machen Sie den Adultismus-Selbsttest, den Sie hier
herunterladen können (pdf-Format, 260 KB)!
Informationen zum Workshop «Adultismus abbauen»
finden Sie hier.
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