Begrifflichkeiten

„Antisemitismus“ und „Islamophobie“ – „Muslimfeindlichkeit“ und „Judenfeindlichkeit“

In der Alltagssprache wie in Fachkreisen werden oft die Begriffe „Antisemitismus“ und „Islamophobie“ verwendet, um die Vorurteile und Diskriminierungen gegen jüdische und muslimische Menschen (als Individuen oder Kollektive) und ihre Religion zu umschreiben.  Jeder Begriff hat eine eigene, kontroverse Geschichte: Einerseits ist Antisemitismus1ursprünglich ein Rassenbegriff, der auf Semiten (dazu werden auch Araber gezählt) Bezug nimmt. Andererseits wird debattiert, ob Islamophobie2 als Begriff impliziert, dass der Islam oder islamische Länder vor jeglicher Kritik verschont bleiben sollten. Die Verwendung beider Begriffe ist umstritten.

In diesem Projekt werden deshalb absichtlich die Begriffe „Muslimfeindlichkeit“ und „Judenfeindlichkeit“ verwendet, um die Vorurteile und die Diskriminierung – aufgrund der Herkunft, der Religion, des Aussehens, der Kleidung usw. – gegen Menschen, die sich als muslimisch bzw. jüdisch bezeichnen oder so betrachtet werden, zu benennen. Die Abgrenzung zwischen einerseits Vorurteilen, die abgebaut werden sollten, und andererseits legitimer Kritik (beispielsweise gegen Israel, muslimisch geführte Länder bzw. diese Religionen) ist ein Thema des Projektes.

Diese eher unbefangenen Begriffe haben den Vorteil, dass sie parallel konstruiert sind und deshalb die Ähnlichkeiten und Unterschiede der Erfahrung als Minderheiten zur Sprache bringen. Im Laufe des Projektes wird weiter am Umgang mit solchen Begriffen gearbeitet.


1 siehe auch Definition bei der Eidgenösssichen Kommission gegen Rassismus
zur Begriffsdefinition
2 siehe auch Definition bei der Eidgenösssichen Kommission gegen Rassismus
zur Begriffsdefinition


Dialog

Der Begriff „Dialog“ wird in diesem Projekt nicht im Sinne des „interreligiösen Dialogs“ verwendet. Es werden keine theologischen Diskussionen zwischen zwei Religionen erzielt, sondern ein Abbau von Vorurteilen zwischen zwei Minderheiten. Die Erlebnisse der Diskriminierung und der Vorurteile stehen im Mittepunkt. Diese Vorurteile bezüglich Macht, Geld, Gefahr (Terrorismus), Nahostpolitik usw. werden kaum religiös bzw. theologisch begründet. Auch säkular lebende bzw. gesinnte Menschen muslimischer oder jüdischer Herkunft sind genau gleich von diesen Dynamiken betroffen wie religiöse Menschen.

Vor diesem Hintergrund hat NCBI Schweiz in Zusammenarbeit mit dem Institut für interkulturelle Zusammenarbeit und Dialog einen „Train the Trainers“-Kurs initiiert, um ein gemischtes Team von Workshopleitenden auszubilden, die später Dialogworkshops leiten können. Das Workshopmodell ermöglicht es, die emotionale und institutionelle Wirkung von Feindseligkeiten und Diskriminierung zu veranschaulichen, und zeigt auf, wie die Verletzungen, Missinformationen und Ohnmachtsgefühle überwunden werden können, die durch Rassismus, Juden- und Muslimfeindlichkeit sowie andere Arten von Diskriminierung hervorgerufen werden. Im Rahmen von Workshops sollen die TeilnehmerInnen dazu befähigt werden in und mit ihrem Umfeld effektiv mit Vorurteilen bzw. daraus resultierenden Konflikten umzugehen.