Bis jemand weint …

Gruppen aus der Jugendarbeit, Schulen und Heimgemeinschaften für Lokalprojekte gesucht

NCBI Schweiz sucht Gruppen aus der offenen, verbandlichen und kirchlichen Jugendarbeit, Schulen und Heimgemeinschaften mit Kindern oder Jugendlichen ab 10 Jahren, welche ein kostenloses, lokales Projekt „Bis jemand weint…“ zum Thema Geschwisterstreit durchführen möchten.

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Aufbauend auf den positiven Erfahrungen mit 20 Lokalprojekten bei „Keine Daheimnisse – Erhebe deine Stimme gegen Körperstrafen und hole Hilfe!“ lanciert NCBI Schweiz in Kooperation mit Partnerorganisationen aus der Kinder- und Jugendarbeit  ein neues, innovatives Projekt, welches das Thema Geschwistergewalt aufgreift und so zu dessen Enttabuisierung beiträgt. Das Projekt wird vom Bundesamt für Sozialversicherungen unterstützt. Weitere SponsorInnen werden gesucht.

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Ziele und Zielgruppe des neuen Angebots

Kinder und Jugendliche sollen wissen, dass Streitereien zwischen Geschwistern konstruktiv und ohne grobe Gewalt gelöst werden können. Wenn sie die Gewalt unter Geschwistern nicht mehr aushalten, können sie Hilfe holen und sich an eine Vertrauensperson wenden.

Mit dem Projekt werden Gruppen von Kindern und Jugendlichen von 10 bis 16 Jahren als MultiplikatorInnen befähigt, um wiederum andere Kinder von 7 bis 16 Jahren zu sensibilisieren und informieren. Es wird beabsichtigt, das Projekt mit Gruppen aus der offenen, kirchlichen und verbandlichen Jugendarbeit sowie in Heimgemeinschaften durchzuführen. Die Kinder und Jugendlichen setzen sich mit der Thematik auseinander und überlegen sich, wie man Streit zwischen Geschwistern ohne Gewalt lösen könnte. Durch den Multiplikatorenansatz werden andere Kinder, Jugendliche und Erwachsene informiert und sensibilisiert.


Das Projekt

Partizipation ist im neuen Projekt „Bis jemand weint…“ zentraler Bestandteil. Nach Klärung des Auftrags mit der lokalen Partnerorganisation findet ein halbtägiges Workshopmodul mit der gesamten Gruppe statt. Dabei befassen sich die Kinder und Jugendlichen mit typischen Beispielen von Gewaltdynamiken. In Familien können immer wieder Gewaltdynamiken beobachtet werden, in die auch Geschwister verwickelt sind. Sie geraten in einen Gewaltkreis (endloser Zweierstreit) oder sind auch Teil von Gewaltketten (Weitergabe von Druck oder Schmerzen), die manchmal bereits eine Vorgeschichte bei den Eltern haben. Wer solche Dynamiken erkennt, kann Hilfe holen und Wege suchen, um auszusteigen. Dazu wird beispielsweise mit dem Gewaltthermometer gearbeitet. Mit Hilfe dieses Instruments kann anschaulich aufgezeigt werden, wie Konflikte sich hochschaukeln und immer „heisser“ werden. So kann man auch erkennen, an welchem Punkt, der Streit am einfachsten unterbrochen werden kann. Die Kinder und Jugendlichen werden als MultiplikatorInnen ausgebildet. Nach diesem Workshop setzen sie sich während acht bis 15 Stunden vertieft mit der Thematik auseinander und erarbeiten mit Unterstützung der lokalen Verantwortlichen und NCBI Schweiz eine Präsentation für andere Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Für die lokalen Partnerorganisationen, insbesondere Jugendarbeitsstellen wird eine Homepage mit Tipps, Ratschlägen und interaktivem Material zur Auseinandersetzung mit der Thematik erstellt. Weitere Informationen dazu werden sobald wie möglich hier veröffentlicht.


Geschwistergewalt thematisieren

Geschwistergewalt ist auch eine Form von „Daheimnissen“, d.h. ein „Geheimnis daheim“. Eskalierende Geschwisterstreitigkeiten werden häufig bagatellisiert oder nicht genügend ernst genommen. Kinder leiden manchmal täglich über mehrere Jahre darunter, denken jedoch, dass es normal ist, von älteren Geschwistern dranzukommen. Betroffene Kinder und Eltern haben Hemmungen, in solchen Fällen Hilfe zu holen, da sie nicht zugeben möchten, überfordert zu sein.


Hintergrund

Geschwistergewalt ist eine häufige Form häuslicher Gewalt, die wegen Tabuisierung bzw. gesellschaftlicher Akzeptanz leider kaum untersucht wurde.

Sowohl in den Workshops im Rahmen von „Keine Daheimnisse!“ als auch in anderen Arbeitsfeldern von NCBI Schweiz mit Kindern und Jugendlichen wird immer wieder deutlich, dass nicht nur die Gewalt zwischen Eltern und Kindern belastet, sondern auch jene unter Geschwistern. Oft berichten Kinder und Jugendliche, dass die Gewalt zwischen Geschwistern gravierender sei als die Gewalt in der Schule. Es gibt jedoch viel mehr Bemühungen um Gewaltprävention in der Schule als unter Geschwistern.

Nach Duncan (1999)1 erleben 80% der Kinder und Jugendlichen regelmässige Demütigung, Provokation oder Verachtung, 30% wiederum ständiges Schikanieren durch ein Geschwister. Geschwistergewalt ist eine der häufigsten Formen von Gewalt, jedoch weitgehend tabuisiert und in der Gesellschaft kaum thematisiert. Dass Geschwister streiten, gehört zum Alltag einer Familie, aber welche Hilfe gibt es, wenn die Kinder oder ihre Eltern darunter leiden? Wie können Streitereien zwischen Geschwistern entschärft werden und wie können sie wieder Frieden schliessen? Mit Kinder- und Jugendgruppen sollen solche und weitere Fragen in Lokalprojekten thematisiert werden.


1 Duncan, R.D. (1999). Peer and sibling aggression: An investigation of intra- and extra-familial bullying. Journal of Interpersonal Violence, 24, 183-208.


Die Partner

NCBI konnte verschiedene Organisationen dafür gewinnen, die Projektidee zu unterstützen. Das Projekt ist so breit abgestützt und kann durch die Mitarbeit verschiedener Organisationen noch mehr Wirkung erzielen. Wir sind auch weiterhin auf der Suche nach neuen Partnerorganisationen und Sponsoren, welche an der Projektidee und an einer Zusammenarbeit interessiert sind. Mit folgenden Partnerorganisationen wird bereits zusammengearbeitet:

  • Kinderschutz Schweiz
  • SAJV (Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände)
  • DOJ (Dachverband offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz)
  • Infoklick.ch
  • Jungwacht Blauring
  • CEVI
  • Pfadibewegung Schweiz
  • Juseso Verein
  • VOJA (Vernetzte offene Kinder- und Jugendarbeit Kanton Bern)
  • Kidsevent.gr
  • Contact Netz
  • Wen-Do Bern
  • Schweizerisches Institut für Gewaltprävention (SIG)

Stimmen zum Projekt

Wenn ich mit meinem jüngeren Bruder streite, dann sagt manchmal ein Kollege: „Lasst das doch sein!“. Das hilft.

– Yannick, 12, in einem Interview über Geschwisterstreit

Das Projekt wird unterstützt von

 

 

 

 

 

 

 

Kontakt

Madleina Brunner Thiam

Telefon 079 666 42 00 oder E-Mail madleina.brunner(at)ncbi.ch