"Jugendgewalt" konstruktiv angehen: Lösungen statt Polemik
In letzter Zeit wurde in Politik und Medien eine lebhafte Debatte über Gewaltdelikte von jugendlichen Tätern und mögliche Massnahmen zu deren Eindämmung geführt. Viele Stimmen fordern verschärfte repressive und ausländerrechtliche Massnahmen, um die Situation in den Griff zu bekommen. Von Massnahmen zur Prävention wird kaum gesprochen. Diese Debatte, die unter dem Schlagwort „Jugendgewalt“ geführt wird, schürt einerseits Ängste und Vorurteile, andrerseits haben Jugendliche und junge Erwachsene darin kaum Gelegenheit, ihre Sichtweise darzulegen. In diesem emotional und polemisch geführten Diskurs kommt die differenzierte Analyse, aus der sich taugliche Massnahmen ableiten lassen, zu kurz.
Wir fordern: Anstatt pauschalisierende Stimmungsmache und reine Repressalien braucht es systematische Gewaltprävention und gezielte Massnahmen für die kleine Minderheit der jugendlichen Gewalttäter.
Unsere Position legen wir im folgenden Thesen- und Massnahmenpapier dar, das Sie in einer kurzen (133 KB) und einer langen (158 KB) Version herunterladen können.
Gemeinsam mit verschiedenen Partnerorganisationen werden deshalb ab 2009 verschiedene Aktionen, Massnahmen und Projekte umgesetzt:
Jugendgewaltdebatte: Die "heutige Jugend" mischt sich ein
In einem grossen, von Jugendlichen und jungen Erwachsenen konzipierten und geleiteten Projekt schulen wir Jugendliche und junge Erwachsene und begleiten sie dabei, in Gemeinden und Quartieren die so genannte "Jugendgewalt" konstruktiv aufzugreifen und Jugendliche mit anderen relevanten Akteur/innen (Politik, Polizei, Jugendarbeit, Schule, Gemeinwesenarbeit, Anwohner/innen etc.) zum Dialog zusammenzubringen. Das Konzept zu diesen Dialogveranstaltungen können Sie hier herunterladen (108 KB). Die Ausschreibung dazu können Sie ebenfalls herunterladen (1.1 MB).
Wie eine solche Dialogveranstaltung eingebettet werden kann, ist in folgendem Artikel aus der Zürichsee-Zeitung ("Hören, was die Jungen zu sagen haben", 22.2.2011) an einem konkreten Beispiel dargelegt.
Solche Dialogveranstaltungen finden 2011 in verschiedenen Gemeinden in der Deutschschweiz statt. Wir berichten hier fortlaufend über die geplanten Veranstaltungen sowie die Berichterstattung dazu:
- 29. März, Dialogveranstaltung in Chur - einen Einblick in den Abend gibt der Artikel "Auch ich war mal jung und machte 'Seich'" aus dem Bündner Tagblatt vom 31.3.11
- 12. Mai, Workshop zum gegenseitigen Umgang im öffentlichen Raum in Wallisellen - Impressionen gibt der Artikel "Der öffentliche Raum soll für alle da sein" im Anzeiger von Wallisellen vom 19.5.11
- 18. Mai, Dialogveranstaltung in Hombrechtikon - einen Einblick in die Veranstaltung gibt der Artikel "Was Junge und Alte nervt" in der Zürichsee-Zeitung vom 19.5.11
- 29. Mai, Dialogveranstaltung in Langenthal
- 31. Mai, Dialog zwischen straffälligen Jugendlichen und Erwachsenen aus Politik, Polizei, Medien und Jugendstrafvollzug an der Schenkung Dapples in Zürich - ein Radiobeitrag auf Radio 24 vom 4. Juni gibt Einblick in die Veranstaltung (2.6 MB). Aus dieser Veranstaltung entstand die folgende Sendung des Jugendfernsehens joiz, die am 11. Juli 2011 ausgestrahlt wurde.
- 22. Juni, Dialogveranstaltung zum Thema "Littering" in Elsau - die Artikel "Littering: Verantwortung übernehmen" aus dem Landboten Winterthur vom 24.6.11 (244 KB) sowie "Abfallverhalten beschäftigt jung und alt" aus der Elsauer Zytig (juli 2011, 276 KB) geben Einblick in die Themen, die diskutiert worden sind.
Im Vorfeld dieser Dialogveranstaltungen wurde eine DVD mit Beiträgen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zusammengestellt, die in einem online voting als aussagekräftig bewertet wurden. Die jungen Leute geben darin Antwort auf die Fragen:
- Was verstehst du unter dem Begriff "Jugendgewalt"?
- Empfindest du die Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen höher als bei Erwachsenen? Wenn ja, wie erklärst du dir das?
- Inwiefern hängt die Gewaltbereitschaft von Herkunft, Geschlecht oder Bildung ab?
- Was möchtest du den Erwachsenen über deine Generation und darüber, wie man mit "Jugendgewalt umgehen sollte, sagen?
Insgesamt wurden rund 100 Beiträge eingericht, die nach wie vor alle online angeschaut werden können. Die DVD, die knapp 20 dieser Beiträge enthält, kann bei NCBI Schweiz bestellt werden.
Der Projektbeschrieb zu diesem Projekt kann hier heruntergeladen werden (124 KB). Der folgende Beitrag auf Zürich.TV gibt einen guten Einblick ins Projekt.
Mehr Informationen zum Projekt finden Sie auf der Website des Projekts! Registrieren Sie sich dort als User, um laufend über die Entwicklung des Projekts informiert zu werden!
Das Projekt Jugendgewaltdebatte - die "heutige Jugend" mischt sich ein ist ein Teil des UNO-Jahres der Jugend unter dem Motto "Our Year, our Voice"!

Schulungsmodul "Konstruktiver Umgang mit Täterinnen und Tätern
Spricht man mit Lehrpersonen, Schulleitenden, Schulsozial- oder Jugendarbeitenden sowie weiteren Fachpersonen kommt man zum Schluss, dass (zu) viele Instanzen und selbst Fachpersonen von einem frühzeitigen, aber konstruktiven Umgang mit Täter/innen überfordert sind. Es fehlt dabei nicht an generellem Wissen im Bereich Gewaltprävention und Konfliktlösung; dieses ist an vielen Orten vorhanden. Was fehlt sind oftmals aber ein vertieftes Bild darüber, was in Täter/innen vorgeht, das Verständnis für die individuellen Beweggründe, die zum gewalttätigen Verhalten führen sowie ein fundiertes, an der Praxis orientiertes Instrumentarium, wie konstruktiv und effektiv Gespräche mit jungen Leuten geführt werden können, bei denen sich ein Täterprofil zu automatisieren droht.
Deshalb bietet NCBI Schweiz in Zusammenarbeit mit Wertikal ab 2011 ein Schulungsmodul für Jugendarbeitende, Lehrpersonen und Schulsozialarbeiter/innen an, das diese dabei unterstützen soll, potentielle Täterinnen und Täter frühzeitig zu erkennen und konstruktiv und unterstützend zu begleiten.
Wissenschaftliche Evaluation des Programms "Peacemaker"
Am 25. Mai 2009 legte der Bundesrat der Öffentlichkeit seinen Bericht "Jugend und Gewalt. Wirksame Prävention in den Bereichen Famlie, Schule, Sozialraum und Medien"* vor (576 KB). Unter anderem wird darin beklagt, dass es zwar eine Fülle an Präventionsprogrammen gibt, dass diese aber kaum evidenzbasiert evaluiert wurden.
NCBI bietet seit zehn Jahren an Schulen sein Programm Peacemaker an. Eine Evaluation desselben soll im Rahmen dieses Jahresthemas eingeleitet und durchgeführt werden.
* In diesem Zusammenhang wurden auch zwei Expertenstudien erstellt und publiziert: Prävention von Jugendgewalt von Manuel Eisner (1.8 MB) sowie Neue Medien und Gewalt von Olivier Steiner (2.3 MB).
Kontakt:
NCBI Schweiz
Andi Geu
Schwanengasse 9
3011 Bern
Tel. 031 311 55 09
Fax 031 312 40 45
andi.geu(at)ncbi.ch
aktualisiert am: 08.09.2011, webmaster

